Arbeiten mit Carbon
Praxistipp - Arbeiten mit Carbon
Es handelt sich hier um Basteltipps für die kleine Werkstatt. Reparaturen an Carbonteilen oder auch für die Herstellung von kleineren Bauteilen. Diese kurze Anleitung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie basiert auf unserer jahrelangen Erfahrung im Umgang mit den Stoffen.
Das arbeiten mit Carbon und Epoxy mag auf den ersten Blick schwierig erscheinen, ist es aber nicht. Wer nur einigermaßen handwerkliche Fähigkeiten besitzt und mit Holz umgehen kann, dem wird es nicht schwer fallen, mit Composite Werkstoffen (Faserverbundwerkstoffen) zu arbeiten. Interessanterweise ist das erste, was wir gelernt haben, die Nähe zu Holzarbeiten. Im Grunde ein einfacher, gradliniger Prozess, bei dem es allerdings die kleinen Tipps und Tricks erst möglich machen, weniger Abfall zu produzieren und ein leichteres Bauteil herzustellen.
Zunächst mal: Es ist ein unordentlicher oder auch schmuddeliger Prozess, wenn man keine Vorkehrungen trifft. Es sollte alles mit Plastik abgedeckt werden, was vor tropfendem Epoxy geschützt werden muss. Man sollte immer genügend Mischbecher, Einweg-Handschuhe und jede Menge Mischstäbe bereithalten. Alles Einweg- oder Wegwerfprodukte. Nimm nicht Deine guten Werkzeuge um z.B. Epoxy umzurühren. Solltest Du eine Form oder eine Umgebung nicht mit Plastik (Packband) schützen können, so wachse sie ein. Damit behandelt, lässt das Epoxy später wieder einfacher von der Oberfläche entfernen. Es lässt sich nach dem aushärten einfach von Kunststoffwerkzeugen (Squeege oder Japanspachtel) durch biegen entfernen. Mit den richtigen Mischbechern kann man seine Mischung kontrollieren und diese Becher nach dem entfernen der ausgehärteten Harzreste auch wieder benutzen. Verwende wenn möglich, die lieferbaren Epoxy Mischpumpen. Kein Rätselraten beim Mischungsverhältnis, lieber nochmal das Datenblatt kontrollieren. Das Mischungsverhältnis muss einfach stimmen. Mischpumpen nach Volumen oder eine Waage. Das sollte beachtet werden.
Zweitens: Arbeite sicher. Epoxy oder Azeton sind Gefahrstoffe und sollten nicht auf Deine Haut kommen. Arbeite in einem Raum mit guter Frischluft. Azetonlappen lasse ich niemals in einem Arbeitsraum liegen. Auch nicht in der dort vorhandenen Mülltonne. Trage einen Kittel oder alte Kleidung, die Du nach dem arbeiten wechseln kannst. Es ist möglich eine Allergie gegen Epoxy zu entwickeln und wenn das durch Hautkontakt schlimm wird, kann man schon bei geringer Berührung einen Ausschlag bekommen. Die neu entwickelten Harze von SP sind weniger aggressiv als andere Industrieharze.
Drittens: Temperatur ist wichtig. Epoxyharze (z. B. SP320 für Sichtcarbon, AMPREG22 für stärkere Laminate) arbeiten am besten bei ca. 18-20°C. Unter 12°C dauert es eine lange Zeit bis die Harz/Härtermischung ausgehärtet ist. Wenn man in direkter Sonne arbeitet und 25°C oder mehr auf der Arbeitsfläche erreicht, härtet die Mischung sehr schnell aus. Wenn das gefertigte Teil ausgehärtet ist, kann man es zum nachhärten (tempern)unter eine schwarze Hülle in die Sonne legen oder in´s Auto packen.
Viertens: Plane Deine Arbeit sorgfältig. Mische nicht das Harz an, bevor Du nicht genau weißt, wie die Teile zusammengefügt werden sollen, nicht bevor Du die Gewebe oder Gelege ausgeschnitten hast und schon mal angepasst und lege alle Klampen, Schraubzwingen oder sonstige Hilfswerkzeuge, wie Tape etc. bereit.
Eine gute Idee neben der Verwendung von Mullbinden um Anpressdruck zu erzeugen, ist auch die Verwendung von Elektrotape. Gerade bei runden Werkstücken oder bei schwierigen Verbindungen oder Brüchen von Carbonrohren. Tränke das Gewebe mit der Harzmischung, wickle es oder lege es auf. Verwende dann Abreißgewebe, welches gut durchgetränkt sein sollte und umwickle alles fest mit Elektrotape. Das Tape wird nicht am Epoxy haften.
Wenn man Abreißgewebe zum Abschluss verwendet, braucht man das Teil später nicht unbedingt wieder anschleifen. Es hilft einem auch, den Überschuss oder Schmutz von der laminierten Stelle zu entfernen oder, so lange noch drauf, letzteren fernzuhalten und die Peel Ply Oberfläche (nach dem entfernen desselben) ist mit der Rauhtiefe bereits für weitere Lagen oder Beschichtungen vorbereitet.
Arbeite lagenweise. Mit Carbon lassen sich wirklich leicht weitere Lagen aufbringen. Bringe zuerst Dein Bauteil oder die Reparaturstelle in Form und verstärke sie dann später durch aufbringen neuer Lagen.
Sollte es Dir möglich sein, jemanden bei arbeiten mit Carbon und Epoxy beobachten zu können oder Du ein Seminar besuchen kannst, mach es. Es verkürzt dramatisch die Lernkurve und wenn Du ein Boot oder Sportgerät oder anderes Bauteil aus Carbon besitzt, wirst Du schon bald Deine Reparaturen selbst durchführen können. Kleine Mengen an Geweben oder Gelegen, sowie Harze und Verarbeitungshilfen kann man ganz einfach über unseren Webstore: http://www.ctmat-shop.de/ bestellen.