Carbonrohre
Carbonfaserrohre
Einführung
Was ist eigentlich der Vorteil eines Carbonfaserrohres? Klar, das Gewicht! Aber ehrlich, bei guter Teamarbeit muss doch niemand den Baum anheben und in Stellung bringen. Das macht doch der Mann am Toppnant. Der führt den Baum. Das Gewicht des Baumes auf dem Vorschiff? Das ist schon eher kritisch. Dem kann man mit einer Spinnakerbaumhalterung (ohne Beschläge an den Großbaum anzuschrauben oder anzunieten!) am Großbaum abhelfen. Auch für Dickschiffe. Beschrieben vom Verfasser diese Zeilen im Yacht-Forum unter "gewusst wie". Kritisch ist das Gewicht eines Spinnakerbaumes im Moment der Halse. Da zählt das Gewicht, welches auf dem Vordeck in Schwingung geraten kann. Da hält es häufig auch ein kräftiges Crewmitglied nicht auf den Füßen und er tanzt mit dem Baum. Da kann man sich noch so stark mit den Schulterblättern am Mast verkeilen. Wenn der Baum in Schwingung gerät, ist man verloren. Da hilft der leichte Carbonspinnakerbaum erheblich und trägt zur Sicherheit bei. Gerade bei kleinen Crews.
Bestellung eines Carbonfaserrohrs
Kaufen Sie das Rohr etwas länger als benötigt. Sägen Sie das überschüssige Stück ab und verwahren Sie es gut für eine Reparatur. Die wird bei Ihrem ersten Carbonspibaum kommen. Das ist sicher. Ist er erst mal an der neuralgischen Stelle, am Vorstag (jemand aus Ihrer Crew lässt versehentlich den Achterholer ausrauschen, die Schot oder der Spinnaker sind am Baumendbeschlag befestigt und nicht fliegend auf der Schot!) repariert, bricht er hier nicht wieder ab, so sehr sich Ihre Crew auch bemühen mag...
Einpassen von Endbeschlägen
Ein zylindrisches Carbonfaserrohr kann mit relativ wenig Aufwand in einen beidseitig verjüngten Spinnakerbaum verwandelt werden. Sie können dabei unter Umständen sogar Ihre alten Spibaumbeschläge verwenden. Wählen Sie in jedem Fall ein Rohr mit größerem Innendurchmesser als Ihre Endbeschläge außen messen. Oder kaufen Sie Endbeschläge mit kleinerem Ø. Schieben Sie eine Schlauchschelle mit genügend Spiel zum zusammenziehen über das Carbonfaserrohr. Sägen Sie aus dem Carbonfaserrohr an einem Ende lange und spitze Dreiecke heraus. Passen Sie immer wieder den Endbeschlag ein, ziehen Sie die Schlauchschelle zusammen und prüfen Sie, ob es am Ende mit einigermaßen aneinander liegenden Carbonflächen zu tun haben. Lösen Sie die Schelle und verfahren Sie an der gegenüberliegenden Seite ebenso. Hier sollte es Ihnen noch etwas besser und schöner gelingen. Legen Sie eine zweite Schlauchschelle bereit. Rauen Sie die Einpass-Flächen der Endbeschläge gründlich an. Bohren Sie ggfs. das Loch für die Auslöseleine.
Mixen Sie etwas Epoxy (z.B. SP106 oder SP120) zu einer Klebemischung mit Hilfe von Mikrofasern und etwas Silica an. Diese Mischung auf die Klebefläche des Beschlages aufbringen und den Beschlag einführen. Schlauchschelle anziehen, überschüssiges Harz abwischen und Tesaband drumherum kleben. Aushärten lassen, sauber schleifen und anschließend mit 3 - 5 Lagen (je nach Größe des Baumes) mit, Epoxy vorgetränktem Carbon UD oder Glasband oder was immer in der Werkstatt vorhanden ist, stramm umwickeln. Wieder mit Tesapackband umwickeln und aushärten lassen. Nachbearbeiten, ggfs. noch mal Harzschicht aufstreichen. Wenn mit E-Glas gearbeitet wurde, sollte die bearbeitete Stelle aus optischen Gründen schwarz übergepinselt werden. Hierzu eignet sich auch Auspufflack aus der Spraydose oder eben Glanzlack.
Reparatur einer Bruchstelle
Sollte Ihnen das Missgeschick eines Spinnakerbaumbruches passieren, sind Sie nicht allein. Vielen Crews ist das, ganz besonders am Anfang der Bewegung hin zu Carbonfaserrohren passiert. Es gibt keinen Grund, die Regatta am nächsten Tag NICHT wieder mit repariertem Baum mitzusegeln. Man benötigt lediglich ein überschüssiges Stück von seinem Baum.
Sägen sie das ca. 30 - 50 cm lange Stück, (je nach Ø und Länge des Baumes) in Längsrichtung auf. Sie benötigen zwei Schnitte. Am Ende sollte das Rohr mit Hilfe der hoffentlich noch vorhandenen Schlauchschelle zusammengedrückt werden können, in das gebrochene Rohr eingeschoben und beim Lösen der Schlauchschelle sollten die Schnittstellen einigermaßen zusammentreffen. Ist Ihnen dieser goldene Schnitt gelungen, rühren Sie wieder etwas Epoxy mit Mikrofaser und Silica an. (Es lohnt sich immer ein 3 kg Pack SP106 Harz/Härter mit Minipumpen versehen in der Werkstatt zur Verfügung zu haben. Dazu Füllstoffe, Mixstäbe, Klebepinsel, Handschuhe und Rührbecher. Vielleicht noch eine Rolle Packband). Gerne schicken wir Ihnen auf Bestellung 2-3 kg Carbonfasergewebereste verschiedener Webart mit und ohne Prüfstückentnahmelöchern für EUR 50,-- zu.Vor dem Anrühren sollte das einzufügende Rohr angeschliffen sein, die Bruchstelle des Spinnakerbaumes darf gerne noch die Bruchfaserreste haben, meistens ist der Baum ja nicht glatt abgebrochen. Machen Sie sich einen Filzschreiberstrich über das Bruchstück, der sich beim zusammenfügen wieder treffen soll. Schneiden oder sägen Sie ggfs. die Faserreste glatt durch und lassen Sie die Enden dran. Jetzt wird das mit der Epoxymischung eingestrichene Reparaturstück eingefügt, klar, beide Seiten in etwa mit der gleichen Länge, die Schelle sitzt ja mittig und macht das Rohr dünn. Dann die Schelle entfernen, dazu ganz aufschrauben, die beiden Enden zusammenschieben bis das Gesamtmaß des Baumes wieder erreicht worden ist und wie oben beschrieben, am besten mit einigen Lagen Glasgewebeband umwickeln. Getränkt natürlich. Dann schwarz anmalen.
Sie können diese Binde natürlich auch von vorneherein auf Ihren neuen Baum aufbringen, dann wird der Bruch am Vorstag, durch hartes anschlagen, wahrscheinlich gar nicht erst auftreten.