Laminieren Nass-in-Nass
Nass-in-nass laminieren mit Epoxy
In jedem Datenblatt über Epoxyharze, Polyesterharze und Farben findet sich ein Hinweis auf die Verarbeitung der Produkte im so genannten "naß-in-naß"-Verfahren, das heißt ohne Zwischenschleifen. Zu diesem Thema soll dieser Praxistipp einige wertvolle Hinweise geben, die Probleme vermeiden und die Arbeit erleichtern können.Grundsätzlich gibt es beim Überstreichen einer noch nicht ganz getrockneten Vorbeschichtung zwei verschiedene Arten der Haftung. Bei Produkten, zu deren Aushärtung das Verdunsten von Lösungsmitteln unerlässlich ist (z.B. Polyester, PU-Lacke etc.) kommt es beim Aufbringen der nächsten Schicht zu einer erneuten Auflösung der vorhergehenden Schicht an der Oberfläche. Diese Auflösung wird durch das enthaltene Lösungsmittel herbeigeführt, und es entsteht eine chemische Verbindung der beiden Schichten untereinander.
Bei lösungsmittelfreien Epoxyharzen funktioniert das ganze etwas anders: da kein Anlösungseffekt entstehen kann, darf die Vorschicht immer nur soweit "angehärtet" sein, dass an der Oberfläche noch reaktive Moleküle vorhanden sind, die sich mit denjenigen der neuen Schicht verbinden können. Diejenigen Moleküle, die bereits eine Verbindung mit ihren Nachbarn eingegangen sind, können - im Gegensatz zum vorher beschriebenen Prozess - nicht mehr aus dieser Verbindung "herausgelöst" werden. Mit fortschreitender Aushärtung der Vorschicht nimmt die Qualität der Haftung ab.
Man sollte also mit dem Weiterbeschichten bei lösungsmittelfreien Epoxyharzen lieber zu früh als zu spät anfangen. Sobald die Vorschicht nicht mehr fließt, kann mit der nächsten Schicht begonnen werden. In dieser "klebrigen Phase" kann die Vorschicht die neue Schicht in vertikalen Bereichen auch besser festhalten, das Harz "steht" besser. Der späteste Zeitpunkt für eine weitere Schicht ohne Schleifen ist dann erreicht, wenn das Material sich bei leichtem Druck noch mit dem Fingernagel eindrücken läßt; es kann dann durchaus schon klebfrei sein. Dieser Zeitpunkt hängt in hohem Maße von der Objekt- und Umgebungstemperatur sowie vom verwendeten Härter ab. Durch Herabsetzen der Temperatur bis an die 15°C-Grenze lässt sich das Beschichtungsintervall erheblich verlängern. Vorsicht: Der bei hoher Luftfeuchtigkeit oft an der Materialoberfläche entstehende, schmierige Film (Bei-Produkt) ist kein Zeichen für gute Haftung der nächsten Schicht, sonder wirkt vielmehr wie ein Trennmittel. Er muss unbedingt entfernt und die Oberfläche danach geschliffen werden!
Bei den lösungsmittelhaltigen Produkten (z.B. SP2000, PU- und Acryllacke etc.) besteht bei zu frühem Überstreichen die Gefahr, daß die alte Schicht so stark angelöst wird, daß sie wieder zu fließen beginnt. Man sollte also tunlichst solange warten, bis der Großteil des Lösungsmittels entwichen ist, die Oberfläche also nur noch schwach riecht und nicht mehr klebt. Im Zweifelsfall kann man an einer verdeckten Stelle mit etwas Lösungsmittel (Spritz- oder Streichverdünner) testen, ob das Material sich noch anlösen lässt. Tut es das nicht, sollte auch hier geschliffen werden.
Wichtig: Das "Naß-in-naß"-Verfahren fuktioniert nur mit ein und demselben Produkt - niemals Lack auf Epoxy, Epoxy auf Polyester oder ähnliche Experimente versuchen - die schönsten Reliefstrukturen oder Ablösungen sind die sichere Folge!
Ausnahme: Eine Möglichkeit zu erheblicher Arbeitseinsparung besteht in der Kombination verschiedener, lösungsmittelfreier Epoxysysteme untereinander. So lässt sich beispielsweise eine eben angehärtete Ampreg 20 Laminatoberfläche sehr gut mit S´Fill abspachteln; nach Aushärtung des Spachtels ist die Haftung einwandfrei. Auch SP120 Füllnähte kann man, vorausgesetzt man wählt die richtige Phase der Aushärtung (etwa zähflüssig), sehr gut mit SP320 Spacote versiegeln und an der Oberfläche glattziehen.